Saison-Top trifft Saison-Flop

pascal am 28.11.2009

In Leverkusen lässt es sich zur Zeit gut feiern...

Bayer Leverkusen marschiert scheinbar unbeirrt Richtung Herbstmeisterschaft, dem VfB aus Stuttgart droht derweil ein unerwarteter Abstiegskampf. Es gilt die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Während die Jungs von der Werkself bisher alle Erwartungen übertrafen, läuft der VfB seinen eigenen, hochgesteckten Saisonzielen weit hinterher. Am Sonntag-Nachmittag kommt es in der BayArena zu diesem wohl richtungsweisenden Aufeinandertreffen.

Bayer 04 Leverkusen ist die Mannschaft der Stunde. Seit sechs Spieltagen verdienter, leistungsgerechter Spitzenreiter und bisher in der Liga noch ungeschlagen. Die Stuttgarter hadern zur Zeit mit ihren ungenügenden Leistungen und vermissen schmerzlichst Mario Gomez. In der Liga steht man nur auf Relegationsplatz 16 und stagniert.

Trainer Heynckes wird den VfB nicht unterschätzen...

Trainer Heynckes wird den VfB nicht unterschätzen...

Die Gefahr, dass Leverkusen den VfB unterschätzt, scheint, nicht zuletzt wegen des starken Auftritts der Stuttgarter am Dienstag in Glasgow, jedoch nicht gegeben. Jupp Heynckes hat seine Jungs im Laufe der Woche auf spielerisch starke, engagierte und hoch motivierte Schwaben eingestellt. Der aktuelle Tabellenplatz spiegelt, so Heynckes, das eigentliche Potential und Leistungsvermögen der gegnerischen Truppe in keinster Weise wider.

Der 14. Spieltag als Wendepunkt?!

Die Begegnung am Sonntag könnte eine Richtungsweisende sein. Schaut man auf die vergangene Saison stellt man fest, dass Leverkusen auch am 13. Spieltag die Tabelle der Fußballbundesliga anführte. Man verlor auswärts gegen den späteren Absteiger Arminia Bielefeld 2:1 und fortan ging es stetig bergab in der Tabelle. Am Saisonende musste man sich mit einem enttäuschenden 9. Platz begnügen. Zudem verlor man das DFB-Pokal-Finale gegen Bremen und verfehlte somit das Saisonziel sich für die internationalen Wettbewerbe zu qualifizieren.
Der VfB Stuttgart, zu diesem Zeitpunkt der Vorsaison 11., musste gegen den VfL Wolfsburg eine derbe 4:1 Klatsche hinnehmen. In der Folge trennte man sich von Meistertrainer Armin Veh. Für viele überraschend begann die Ära Babbel, der die Stuttgarter noch bis auf Platz drei und in die Champions-League führte.

Erfolgsrezept Bayer 04 Leverkusen

Die Leverkusener setzten im Vorlauf zu der aktuellen Saison vor allem auf Erfahrung. Der durchweg junge Kader wurde durch die Verpflichtung erfahrener Kräfte stabilisiert. Der 36 jährige Finne Sami Hyypiä, lange Jahre Abwehrchef des großen FC Liverpool, verleiht der Bayer Schwachstelle des letzten Jahres, der Abwehr, durch seine Erfahrung und Abgeklärtheit eine ungeahnte Stabilität. Trainer-Urgestein Jupp Heynckes zu verpflichten war ein ebenso genialer Schachzug der Bayer Chefetage.

Stefan Kießling

Stefan Kießling

Der erfahrene „Don Jupp“ scheint genau der richtige Mann für diese junge Leverkusener Mannschaft zu sein. Er versteht es die Spieler auf den Punkt zu motivieren, vielversprechende neue Talente einzugliedern und zeigt ein gutes Gespür für die Empfindlichkeiten der Spieler. Spieler die überdurchschnittlich viel Leistung zeigen bekommen bei dem dienstältesten Trainer der Bundesliga dann schon mal ein „kleines Bonbonchen“. So durfte der Shootingstar, der sich stets bis zur Erschöpfung für sein Team aufreibende Stefan Kießling, die Trainingseinheit am Freitag-Mittag, wie auch Dauerbrenner Hyypiä, früher beenden. Auf diesem Wege möchte er die läuferische, kämpferische und physische Verfassung der Spieler konservieren. – Der erfahrene Trainer weiß genau wie lange eine Saison sich hinzieht und was den Profis in dieser Zeit alles abverlangt wird.
Mit Labbadia als Trainer war dem nicht so. Die Spieler beklagten sich über zu harte Trainingsbedingungen. Nach dem 13. Spieltag wirkte das Team ausgelaugt und verletzungsanfällig. Schaut man nach Hamburg, Labbadias neuer Wirkungsstätte, so lässt sich eine gewisse Parallelität der Ereignisse nicht leugnen. – Wie im Vorjahr schwächelt Labbadias Team zu diesem Saisonzeitpunkt und wichtige Leistungsträger fallen verletzt aus.

Vertrauen auf die siegreichen Teams

Die Bayer-Elf wird voraussichtlich mit der schon in München zum Einsatz gekommen Startformation beginnen. Diese überzeugte; alle Spieler sind zu 100% fit; es wird keine personellen Umstellungen geben, so Heynckes.
Auch der VfB wird wohl mit der siegreichen Mannschaftsaufstellung aus Glasgow in die Partie starten und hofft auf eine weitere Sternstunde ihres jungen Hoffnungsträger Sebastian Rudy.

Jung trifft alt

Interessant wird auch zu beobachten sein, wie sich das Aufeinandertreffen zweier Generationen gestaltet. Trainerlegende Jupp Heynckes trifft auf den Trainerlehrling Markus Babbel; Jens Lehmann auf seinen wahrscheinlichen Nachfolger im Nationalmannschaftstor René Adler; sowie der 22 Jahre junge Serdar Tasci, auf sein 36 jähriges Leverkusener Pendant Sami Hyypiä.

Die Vorraussetzungen für ein richtig gutes Fußballspiel am Sonntag in der BayArena scheinen erfüllt. Auch wenn die aktuelle Tabelle keinen Topspielzuschlag rechtfertigen würde, kann sich der Fan wie auch der neutrale Zuschauer, auf ein hochklassiges Spiel freuen. Während Stuttgart auf die Wende in der Bundesliga hofft, will Leverkusen alles dafür tun auch weiterhin an der Spitze zu bleiben und nicht wie im vergangenen Jahr einen tiefen Absturz mit Abpfiff des 14. Spieltages zu erleiden.